Für Umzugsunternehmen aus Frankfurt ist im Sommer Hochsaison

Umzug : Frankfurt packt ein

Jedes Jahr wechseln 100 000 Frankfurter ihren Wohnsitz und neue ziehen in die Stadt. Für Umzugsunternehmer ist im Sommer Hochsaison.

10.08.2017 15:04 Uhr  / Bericht von Von Barbara Haas

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Hochsaison für Umzugsfirmen ist im Sommer

In den Sommermonaten sind die ortsansässigen Umzugsfirmen ausgelastet. Kunden müssen oft bis zu sechs Wochen im Voraus einen Termin vereinbaren, wenn sie einen Umzug in den Monaten Juni bis August planen. „Die Schulferien sind Hauptumzugszeiten“, erklärt Matthias Bedürftig, der seit 30 Jahren die Umzugsfirma Bedürftig GmbH leitet. Familien legen den Ortswechsel in der Regel mit dem Schulwechsel der Kinder zusammen. So war es auch beim bisher größten Privatumzug für den Betrieb mit knapp 30 Mitarbeitern. Von Frankfurt nach Frankreich ging es mit einem Zehn-Personen-Haushalt. Der Geschäftsführer erinnert sich, wie die Möbelpacker in Frankfurt eine Woche mit dem Verladen zugange waren, eine weitere dann in Südfrankreich. „Ich musste meine Beschäftigten im Hotel unterbringen“, erzählt der 54-Jährige.

Bei Großaufträgen springt der Chef auch selbst hinter das Steuer des Möbelwagens. Das Hauptgeschäft macht der Familienbetrieb in Frankfurt aber mit Single- und Zwei-Personen-Haushalten. „Die Leute wechseln den Wohnort, weil sie versetzt werden oder auf der Karriereleiter nach oben klettern“, beobachtet Matthias Bedürftig. Manch einer zieht das schon zum dritten oder vierten Mal mit ihm durch.

Der Frankfurter Immobilienmarkt produziert beständig neue Kundschaft. „Wenn der Wohnungsmarkt zulegt, dann legen auch die Umzugszahlen zu“, folgert Matthias Bedürftig.

Rund 180.000 Menschen in Bewegung

Laut der städtischen Statistik zogen zuletzt 67 000 Menschen in die Stadt, 56 000 verließen sie. Innerhalb von Frankfurt suchten sich nach den aktuellen offiziellen Zahlen im Jahr 2014 fast 52 000 Einwohner ein neues Zuhause. Rund 180 000 Menschen sind demnach in Bewegung. Tendenz steigend, wie die städtischen Statistiker prognostizieren. Das spüren die örtlichen Umzugsspediteure. Die Nachfrage nach ihrer Dienstleistung wächst – aber auch die Zahl an Wettbewerbern, die auf den Markt drängen. „Bei zehn Angeboten ergeben sich vielleicht drei Aufträge“, sagt Andreas Funke, geschäftsführender Gesellschafter bei Wahl & Co. Er spricht von einem „relativ konstanten Geschäft“ mit 1000 Privatumzügen pro Jahr. Die hohen Mieten sind seiner Erfahrung nach schlecht fürs Geschäft. „Die Leute bleiben solange es geht in ihrer Wohnung, damit sie nicht mehr Miete bezahlen müssen“, stellt Funke fest. „Innerhalb der Stadt wird kaum noch umgezogen.“

Bei der Konkurrenz gehen die Auftragszahlen hingegen in die Höhe. Wegen der hohen Mieten zögen die Frankfurter ins Umland, heißt es dort. „Bis nach Weilburg und Gießen“, berichtet Stephan Hoffmann, Geschäftsführer der Fachspedition Hoffmann.

Matthias Bedürftig verbucht Zuwächse von fünf bis zehn Prozent. Hoffmann meldet: „Wir wachsen grundlegend.“ Am Anfang hatte seine Firma zwei Mitarbeiter: ihn und seinen Schwager. Elf Jahre später sind es 70, und Hoffmann würde weitere einstellen, wenn er das Personal bekäme. „Wir haben zu tun wie verrückt“, lässt er wissen. Im Monat bewältigen die Mitarbeiter 200 bis 300 Touren.

Die Entwicklung neuer Wohngebiete wie Riedberg und Europaviertel kurbelt das Umzugsgeschäft an. „Als der Riedberg in Planung war, ging jeder zweite Umzug innerhalb Frankfurts dorthin“, sagt Matthias Bedürftig, heute sei es immer noch jeder siebte. „Man merkt aber auch, dass die EZB da ist“, stellt er fest. Die Mitarbeiter der Europäischen Zentralbank, die sich 2014 vergrößerte und einen Neubau am Main eröffnete, ziehen mittlerweile ins Eigenheim und nehmen seine Dienste in Anspruch.

Dramen und Seifenopern

Am meisten zu tun haben die Transporteure innerhalb des Rhein-Main-Gebietes. Hier sind auch 50 der 70 Mitgliedsbetriebe im hessischen Fachverband der Möbelspediteure angesiedelt. 80 Prozent der Fahrten finden zwischen Orten in der Region statt. Frankfurt, Offenbach, Neu-Isenburg sind die Ziele, die Konstantin Nikolaidis am häufigsten ansteuert. Bei der Spedition Hoffmann ging es schon einmal bis nach China. Beschäftigte aus der Automobilbranche kehrten mit ihrer Familie aus Frankfurt zurück.

Mit den Großstadterlebnissen der Möbelpacker könnte Stephan Hoffmann Bücher füllen. Lebhaft erzählt er von „dem einen Prozent“ der Umzüge, „die völlig aus dem Ruder laufen“, Scheidungskrieg, Wohnungsauflösung, Rausschmiss – Dramen und Seifenopern, alles ist vertreten.

Ein Auszug musste fünf Stunden lang unterbrochen werden, weil sich die geschiedenen Eheleute im Keller darüber in die Haare geraten waren, wer die Modelleisenbahn mitnehmen durfte. Andere Aufträge müssen schnell erledigt sein. Eine Kundin erkundigte sich besorgt bei Hoffmann, ob der Umzug bis 15 Uhr geschafft sei. Sie erwartete ihren 35-jährigen Sohn von der Arbeit zurück. Seine Sachen hatte die Mutter unterdessen in ein neues Zuhause verfrachten lassen, das sie für ihn angemietet hatte.

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